Erfolgreich im lokalen Markt, Gegenwind durch Politik

Die Volksbank Erkelenz eG steigert ihr Gesamtkundenvolumen auf 1,5 Milliarden Euro/ deutliche Kritik an Regulierung und Bankenaufsicht

Dr. Luxem
Vorstandsvorsitzender Dr. Veit Luxem beim Bericht des Vorstandes

Kreis Heinsberg. „Die Volksbank Erkelenz eG hat auch das Geschäftsjahr 2015 erfolgreich abgeschlossen“, so fasste Dr. Veit Luxem, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Erkelenz das Jahresergebnis 2015 zusammen. Wesentliche Zahl, die diese Entwicklung bestätigt, sei das betreute Kundenvolumen, also die Summe der Geschäfte, die die Genossenschaftsbank mit ihren Mitgliedern und Kunden betreibt: Es sei um 4,3 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro angestiegen. Die Genossenschaftsbank erlebt zudem einen Neuzugang von 608 Mitgliedern auf jetzt 7.698 und eine Zunahme der Bilanzsumme um 4,9 Prozent auf rund 700 Millionen Euro.

Marita Schlupkothen
Aufsichtsratsvorsitzende Marita Schlupkothen leitet die Vertreterversammlung der Volksbank Erkelenz eG

Besonders erfreulich sei der Anstieg des Kreditvolumens auf mehr als 516 Millionen Euro. Insbesondere bei der Wohnbaufinanzierung wurden 413 neue Finanzierungen mit einem Volumen von fast 30 Millionen Euro vergeben. „Bei der Kreditvergabe hat sich der Wettbewerb deutlich intensiviert. Und ein Wachstum in diesem Segment bedeutet, dass wir als Genossenschaftsbank weiterhin am Markt erfolgreich sind und auch unseren Förderauftrag erfüllen“, so Luxem.
Deutlich werde diese Förderorientierung angesichts eines überproportionalen Wachstums beim Einlagen- und Fondsgeschäft um 5,5 Prozent (+ 53 Mio. Euro) auf fast 1 Milliarden Euro.
Luxem zu dieser Entwicklung: „Wertpapieranlagen und Immobilieninvestitionen sind sinnvolle Anlageformen, um in der gegenwärtigen und andauernden Niedrigzinsphase Sparziele zu erreichen.“ Die Genossenschaftsbank würde ihren Mitgliedern und Kunden empfehlen, diese Chancen intensiver zu nutzen. Die  umfassende Beratung sei jedoch unersetzlich, um ein ausgewogenes Portfolio zu schaffen.

Erwin Heinrichs
Altersbedingt schied mit der gestrigen Vertreterversammlung Erwin Heinrichs, Wirtschaftsprüfer aus Wegberg, nach 13 Jahren aus dem Aufsichtsrat der Volksbank Erkelenz aus. In der Verabschiedungsrede würdigte die Aufsichtsratsvorsitzende Heinrichs für seine ehrenamtliche Tätigkeit für die Volksbank. „Sie haben die Funktion des Aufsichtsratsmitglieds immer mit Zuverlässigkeit, Umsicht und dem notwendigen Weitblick für zukünftige richtungsweisende Wege erfüllt und waren stets auf der Seite der Vordenker und Aktiven.“ Sie hob hervor, dass es ihm immer Besonders wichtig war, die Anliegen der Mitglieder und Kunden in Entscheidungsfindungen einzubeziehen.

Auch mit der Ertragssituation zeigte sich Luxem noch zufrieden. So sei das rückläufige Zinsergebnis durch ein gesteigertes Provisionsergebnis zwar aufgefangen worden, auf der anderen Seite belasteten allerdings die zunehmenden Personal- und Sachkosten. Nach Vorsorgeaufwand wird das vorläufige Ergebnis bei 6,5 Millionen Euro liegen und nicht ganz an das Ergebnis des Vorjahres heranreichen. Luxem verwies erneut auf das hohe Steueraufkommen der Genossenschaftsbank in Höhe von 2 Millionen Euro, die Spendenentwicklung mit 140.000 Euro sowie die Dividendenzahlungen an die Mitglieder in Höhe von 640.000 Euro, ausmachend eine Dividende von 6 %. Luxems Fazit zur wirtschaftlichen Situation der Genossenschaftsbank: „Die Volksbank Erkelenz ist grundsolide aufgestellt und am Markt erfolgreich. Die Politik aber schafft schwierige und wettbewerbsverzerrende Rahmenbedingungen, die uns im Wettbewerb benachteiligen und die Sparer belasten.“
So befürchtet er mit Blick auf die niedrigen Zinsen weitreichende Folgen für Wirtschaft, Verbraucher und Gesellschaft. Diese würden unterschätzt werden. Es fehle an einer öffentlichen Debatte.
Luxem: „Wir befürchten eine sinkende Bereitschaft zur Haushaltskonsolidierung der europäischen Staaten. Die Altersvorsorge in klassischen Anlageformen wird erschwert, aber Alternativen sind mit hohen bürokratischen Hemmnissen belegt.“ Als ein Beispiel für die bürokratischen Hürden führte Luxem die komplizierten und bürokratischen Beratungsprotokolle an. Im Ergebnis sänken sowohl die Sparquote als auch die Erträge aus Kapitalanlagen.
Luxem wies auch darauf hin, dass die Niedrigzinsphase die Genossenschaftsbanken belasten würde. Erschwerend käme der noch immer weiter wachsende Aufwand durch Regulatorik und Meldepflichten hinzu. Beides träfe insbesondere kleinere Banken wie die Genossenschaftsbanken und erschwere damit die Mittelstandsfinanzierung.
„Inzwischen sind 2 hochqualifizierte Vollzeitarbeitskräfte in der Bank allein damit beschäftigt, neue Meldepflichten und regulatorische Vorgaben einzuhalten“, so Luxem.
“Das ist ein Unding, betrachtet man, dass von uns keine Gefahr für das System ausging, ausgeht und ausgehen wird“, betonte Luxem.
Ein Thema, das dem Genossenschaftsbanker insbesondere aus seiner Tätigkeit in Berlin beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken heraus besondere Sorge bereitet, ist die Europäisierung der EU-Einlagensicherung. Unter dem Stichwort „Schutz der Verbraucher“ sei eine europaweite Vergemeinschaftung der nationalen Sicherungssysteme geplant.
Die EU-Einlagensicherung sei darauf ausgerichtet, Sparer im Krisenfall zu entschädigen. Die genossenschaftliche Sicherung wirke hingegen präventiv, sodass der Ernstfall gar nicht eintrete. Das sei sicherer für die Kunden und billiger für den Steuerzahler. „Im Ergebnis sollen wir für etwas aufkommen und Beiträge entrichten, das unsere Mitglieder und Kunden nicht schützt“, kritisierte Luxem.
Die europaweite Haftung für Bankeinlagen erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Banken mit hohen Zinsen aggressiv Kundengelder einwerben und diese für riskante Geschäfte einsetzen. Im Kern würden riskante Geschäftsmodelle durch die Banken, die solide Geschäftsmodelle verfolgen, abgesichert, befürchtet der Banker.

Hans-Jürgen Klingen
Zum Nachfolger im Aufsichtsrat wurde der in Hückelhoven wohnhafte und in Wegberg als Steuerberater tätige Hans Peter Klingen gewählt.

„Das bedeutet Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der soliden Mittelstandsfinanzierer, ein Mehr an Kosten und ein Weniger an Finanzmarktstabilität“, verdeutlichten die Bankvor-stände. Und weiter: „Wir sind überzeugte Europäer, gerade wir hier im Grenzgebiet. Aber Unfug bleibt Unfug, auch wenn er europäisch ist.“
Luxem äußerte sich angesichts des bundesweiten Trends zur Schließung von Bankfilialen auch zur künftigen Filialstruktur in seinem Haus. So stünden Genossenschaftsbanken im allgemeinen und die Volksbank im speziellen vor der Aufgabe, in einer Zeit des Wandels die Zukunft der gemeinsamen Bank zu sichern. Nur so könnten sie ihrem gesetzlichen Auftrag der Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder nachkommen.
„Wir stehen in Zeiten des „Plattform-Kapitalismus“ nicht nur in direkter Konkurrenz zu anderen Banken, sondern auch zu sogenannten FinTechs“, skizzierte Luxem die Situation. „Unsere Mitglieder und Kunden stimmen jeden Tag darüber ab, wie eine Genossenschaftsbank ihrem genossenschaftlichen Förderauftrag nachkommen soll: indem sie eine unserer Filiale besuchen oder unsere Homepage nutzen.“ Seit einigen Jahren gäbe es dabei einen klaren Trend: Der Bedarf nach kompetenter Beratung und sicherem Online-Banking nähme beständig zu. Und die Nachfrage nach persönlichem Service bei einfachen Bankangelegenheiten sinke deutlich. In beide Angebote – Beratung in der Filiale und Geschäftsabschluss im Netz - würde die Genossenschaftsbank derzeit unter den Stichworten „Genossenschaftliche Beratungsqualität“ und „WebErfolg“ investieren.
Die Genossenschaftsbank beobachte im Sinne ihrer Verantwortung für ihre Mitglieder und die Wirtschaft vor Ort die weitere Entwicklung aufmerksam.