Landwirtschaft in der Zukunft

Einen Ausblick auf die Anforderungen für die Landwirtschaft der Zukunft wagte Professor Alfons Janinhoff bei einem Vortrag in den Räumen der Volksbank am Konrad-Adenauer-Platz

Erkelenz. Im Namen der Volksbank begrüßte Vorstandsmitglied Josef Brück den Referenten des Abends, zu dessen Vortrag rund 180 Landwirte aus der Region gekommen waren. Unter den Gästen war auch der Kreislandwirt und Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes, Bernhard Conzen. Brück hob die Verbundenheit der Genossenschaftsbank mit der Landwirtschaft hervor. Einer der Gründerväter der Genossenschaftsbanken, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, entstammte selbst einer Landwirtsfamilie und war der Landwirtschaft und ihren Belangen zeitlebens verbunden. Auch heute sei die Landwirtschaft eine stabile Säule der heimischen Wirtschaft, die in der Volksbank einen flexiblen und modernen Partner in Finanzfragen habe.

Professor Janinhoff skizzierte in seinem Ausblick die Entwicklung der Landwirtschaft in den kommenden Jahren und nannte die Anforderungen, die dabei auf die Landwirte zukommen. Der Agrarexperte aus Beckum hat bis zu seinem Ruhestand über 30 Jahre an der Fachhochschule Bingen gelehrt und kennt das Metier. Seine Aussage, dass mittelfristig nur ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in NRW überlebensfähig seien, wusste er von der betriebswirtschaftlichen Seite aus zu untermauern. Die Investitionen und der Arbeitsaufwand für eine überschaubare Steigerung des Einkommens seien enorm. Aufgrund des begrenzt wachstumsfähigen Marktes und seiner Ressourcen sei eine Vergrößerung des Hofes nur möglich, wenn in der Nachbarschaft ein anderer schließe, betonte er. Ratsam sei daher auch die Suche nach tragfähigen Alternativen – zum Beispiel den erneuerbaren Energien. Seit 2006, so betonte er, habe die deutsche Landwirtschaft rund 20 Milliarden Euro in erneuerbare Energie investiert. Ein weiterer wichtiger Schritt sei die Schaffung rentabler Betriebseinheiten. Auf einer größeren Fläche könnten höhere Gewinne erwirtschaftet werden. „Die Stückkosten bestimmen den Gewinn“, betonte er. „Und die sind bei größeren Einheiten einfach niedriger.“ Dem Einwand der Kritiker, dass „Betriebsgröße nicht alles“ sei, setzte er ein entschiedenes „Ohne Betriebsgröße ist alles nichts“ entgegen. Schon heute sei dieser Trend abzusehen, betonte er. In den vergangenen 30 Jahren sei die Zahl der Flächen und Tiere je Landwirt gestiegen. Ein weiterer Rat war die Abkehr vom „Wachstumsfetischismus“. Stabilität sei das Gebot der Zukunft. Eine weitere Herausforderung für die Landwirte und ihre Verbände sei eine positive Öffentlichkeitsarbeit. „Die geringe Wertschätzung dieses Berufsstandes ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen“, erklärte er.

Landwirtschaft in der Zukunft
Frank Massier (Volksbank Erkelenz), Prof. Alfons Janinhoff, Bernhard Contzen, Josef Brück (Vorstand Volksbank Erkelenz)

Der Strukturwandel werde noch einigen Landwirten die Existenz kosten, prophezeite er. Die Gefahren drohten nicht nur vom globalen Markt und Brüssel. Vielmehr gebe es nationale und länderspezifische Verordnungen, die es den Landwirten schwer machten zu rationalisieren oder zu investieren. Der Strukturwandel werde voranschreiten und es sei Aufgabe jedes einzelnen Landwirtes, seinen Platz in der Landwirtschaft der Zukunft zu finden.
„Wir müssen die Menschen begeistern und Spaß an der Landwirtschaft vermitteln“, betonte er am Ende seines Vortrages. „Die gesellschaftliche Anerkennung muss erkämpft werden.“
Kreislandwirt Bernhard Conzen hatte zuvor in seinem Grußwort zu bedenken gegeben, dass mit dem Rückgang der heimischen Landwirtschaft auch die Qualität der Nahrungsmittel leide, da sie oftmals aus Ländern importiert würden, in denen der Verbraucherschutz keine so bedeutende Rolle spiele wie in Deutschland. Ein weiteres wichtiges Argument für die deutsche Landwirtschaft, wie Janinhoff bestätigte.
Trotz aller zuvor erwähnten Aufgabenfelder für die moderne Landwirtschaft konnte der Agrarwissenschaftler mit Blick auf die Zukunft ein optimistisches Fazit ziehen.