Volksbank Erkelenz: „Nicht alle Kreditinstitute über einen Kamm scheren“

Vorstandchef Dr. Veit Luxem wehrt sich gegen EU-Einlagensicherung – Gedankenaustausch mit NRW-Finanzminister Walter-Borjans

Erkelenz/Düsseldorf. „Wenn es um die Unterstützung der regionalen Wirtschaft geht, spielen Genossenschaftsbanken wie die Volksbank Erkelenz eine zentrale Rolle. Dem muss die Politik Rechnung tragen!“ Das betonte Dr. Veit Luxem, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Erkelenz, im Anschluss an ein Gespräch von Genossenschaftsbankern mit NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. „Der öffentliche und genossenschaftliche Bankensektor ist vor Ort in den Städten und Gemeinden fest verankert. Die Kreditinstitute kennen ihre Kundschaft und deren Risiken – das ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und sorgt für Stabilität auch in Krisenzeiten“, sagte Walter-Borjans. Zu dem Gedankenaustausch hatte der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) nach Düsseldorf eingeladen.

Besonders verärgert sind die Gesprächsteilnehmer über die aktuellen Pläne der EU-Kommission, eine europaweite Einla-gensicherung aufzubauen. In diese sollen alle Banken und Kreditgenossenschaften einzahlen. „Unsere freiwillige genos-senschaftliche Sicherungseinrichtung ist seit über 80 Jahren hochsolide, weil wir genau darauf achten, welche Risiken unsere Mitgliedsbanken eingehen“, betont Dr. Luxem. „Es wäre ein Unding, wenn wir jetzt für andere Banken in der EU zahlen müssten, über deren Geschäftsmodelle wir überhaupt keine Kontrolle hätten“. Bei Genossenschaften werden Selbsthilfe und Verantwortung seit jeher groß geschrieben, wie RWGV-Vorstandsvorsitzender Ralf W. Barkey betonte. Die EU-Einlagensicherung bezeichnete er daher als „Frontal-angriff auf unsere genossenschaftlichen Prinzipien“. 

Treffen mit Finanzminister
Tauschten sich aus (von links): Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des RWGV, NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und Dr. Veit Luxem, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Erkelenz.


Mit den Großbanken „über einen Kamm geschoren“ fühlen sich die Genossenschaftsbanken auch bei den umfangrei-chen Meldepflichten, die seit der Finanzmarktkrise über die Institute verhängt wurden. „Die Bankenaufseher verlangen Datenmengen, die für sehr viel größere Banken angemessen wären. Ein Beispiel ist das geplante neue europäische Kreditregister AnaCredit. Dieses hätte zur Folge, dass wir künftig zu den meisten unserer Kredite weit über 100 Datenpunkte an die Aufsicht melden müssten“, kritisiert Klaus Geurden, Vorsitzender des Verwaltungsrates des RWGV. RWGV-Vorstandsmitglied Siegfried Mehring forderte in diesem Zusammenhang mehr Gelassenheit von Politik und Bankenaufsehern. „Genossenschaftsbanken haben konservative Geschäftsmodelle, und sie werden jedes Jahr sorgfältig von ihren Verbänden geprüft. Es gibt also keinen Anlass für all diesen bürokratischen Aufwand“.

„Ziel der europäischen Bankeninitiativen ist es, den Finanzsektor sicherer zu machen und risikoreiches Geschäft so abzusichern, dass sie nicht die Finanzmärkte gefährden und der Steuerzahler dafür haften müssen“, sagte Minister Walter-Borjans. „Es kann deshalb nicht sein, dass kleinen, risikoarmen Banken der gleichen Regulierungsaufwand wie den internationalen, risikoreichen Banken aufgebürdet wird.“

Positives konnten die Gesprächsteilnehmer derweil aus ihren Geschäftsgebieten melden. Die Bilanzsummen der Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen erhöhten sich in den ersten zehn Monaten 2015 im Schnitt um 2,3 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich das Firmenkreditgeschäft. Aber auch die privaten Kredite sowie die Kundeneinlagen nahmen deutlich zu. „Bei der Volksbank Erkelenz war die Entwicklung ähnlich positiv“, weiß Dr. Luxem zu berichten.