Der „Kopf-Coach“ der Fußballweltmeister zeigte Wege zum persönlichen Erfolg auf.

Erkelenz. Professor Dr. Hans-Dieter Hermann ist einer der Architekten des Erfolgs der deutschen Fußballnationalmannschaft, die im vorigen Jahr in Brasilien ihren vierten Weltmeistertitel gewann. Auf Einladung der Volksbank war er nach Erkelenz in die Stadthalle gekommen, um den Zuhörern seine Erfolgsrezepte näherzubringen. Denn „Erfolg beginnt im Kopf“, ist sich der Sportpsychologe und Coach sicher. Eine an sich nicht neue Weisheit, wie er betonte. Doch sei es wichtig, sie mit dem Wissen um das „wie“ zu füllen.

Zuvor jedoch nutzte der Vorstandsvorsitzende Dr. Veit Luxem die Gelegenheit, um für Europa und die gemeinsame Währung Euro zu werben. In Zeiten der Wahlerfolge europakritischer Parteien in Europa sei es wichtig, sich zu erinnern, wofür „Europa“ steht, erklärte er. „Europa ist erfolgreich, wohlhabend, sozial und friedlich“, betonte er. Damit sei es Vorbild für junge Demokraten und Demokratiebewegungen weltweit. Ein Wegfall des Euros als gemeinsame Währung bezeichnete er als Exporthindernis. Luxem warnte vor Stimmungsmache gegen Europa, die dem Land und auch der Region schade. „Vernunft und Zuversicht müssen unser Handeln bestimmen, nicht Angst und Ärger“, erklärte er. Die Ankaufpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichnete er als indirekte Staatsfinanzierung, was nicht Aufgabe einer Zentralbank sei. Auch die lange Phase der Niedrigzinsen sei historisch einmalig und werde noch eine Weile andauern. Dies sei zumindest für die Kommunen gut, da sie weniger für Darlehen zahlen müssten. Negativ sei die Entwicklung jedoch für die privaten Anleger und ihre Altersvorsorgen. „Die Inflation frisst kleine Zinsen im Vorbeigehen auf“, warnte er. Dies komme einer kalten Enteignung gleich.
Den Referenten des Abends bezeichnete Luxem als „einen der Väter des Triumpfs von Brasilien“. Seine Ratschläge seien geeignet, „in unserem Fach noch ein bisschen besser und somit auch zufriedener“ zu werden.
„Erfolg beginnt im Kopf“ sei eigentlich keine neue Erkenntnis, räumte Professor Dr. Hermann ein. Trotzdem sei es sinnvoll, die These von allen Seiten zu beleuchten. Zuerst einmal sprach er eine Warnung aus, denn „Erfolg ist flüchtig“. Da er immer dazu diene, vorherige Erfolge zu übertreffen, müsse der erfolgreiche Mensch auch ständig an sich arbeiten und sich weiterentwickeln.  Dies untermauerte er am Beispiel Fußball. Das Spiel an sich sei seit 2006 schneller geworden, die Ballkontakte kürzer, die Laufstrecken länger. Hätte die deutsche Mannschaft dies nicht berücksichtigt und entsprechend trainiert, wäre es nicht zum Titelgewinn in Brasilien gekommen. Am Anfang, so hob er hervor, stand der Wille, alles für die Mannschaft zu geben. „Keiner gewinnt alleine“, betonte Hermann. Es komme auf das Team an, das den Einzelnen trägt und zu Höchstleistungen anspornt. „Denken Sie nicht an mögliche negative Konsequenzen“, forderte er die Zuhörer auf. „Denken Sie nur daran, was zu tun ist, um Ihr Ziel zu erreichen.“ Darüber hinaus müsse man das, was man tut, aus ganzem Herzen tun. „Sehen Sie Ihre Aufgabe nicht als notwendig an, geben Sie ihr Sinn“, lautete sein Rat. Man müsse sich auch hinterfragen, ob das, was man tue, „noch mein Weg ist“. So sehr man sich auch selbst motivieren könne, sei es wichtig, jemanden als Back-Up zu haben. Einen Menschen, der ohne Eigennutz beraten kann und will. Denn zum Erfolg gehöre nicht nur das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, sondern auch in die Mitmenschen. Dies alles abzuwägen und zu beherzigen sei die Basis für den Erfolg, der eben wirklich im Kopf beginnt.
Abschließend stand der Referent, der es verstanden hatte, das Publikum durch seinen Vortrag und entsprechende Beispiele in seinen Bann zu ziehen, noch für Fragen im Foyer der Stadthalle zur Verfügung.