"Was wirklich zählt..."

Margot Käßmann sprach über "Christliche Werte in unserer Gesellschaft"

Erkelenz. Werte misst der eine in Euro, der andere vielleicht in Prozent. Doch über das, „Was wirklich zählt. Christliche Werte in unserer Gesellschaft“ sprach am Montag in der Stadthalle Erkelenz Prof. Dr. Margot Käßmann, die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Eingeladen hatte die Volksbank Erkelenz die viel gefragte, immer wieder kritische Beobachterin der heutigen Gesellschaft zur mittlerweile traditionellen Forums-Veranstaltung. Ein gelungener Abend, denn Margot Käßmanns engagierter Vortrag erreichte die rund 750 Mitglieder und Kunden der Kreditgenossenschaft nicht nur auf intellektuelle Art und Weise: Die ehemalige Landesbischöfin strahlte mit jedem Wort und mit jeder Geste Verlässlichkeit, Klarheit und Zuversicht aus – und damit Werte, nach denen sich so viele Menschen heutzutage sehnen.

Zuverlässigkeit und Vertrauen hatte auch Vorstandsvorsitzender Dr. Veit Luxem in seiner Begrüßung in den Mittelpunkt gestellt. Sie seien der Erfolgsweg der genossenschaftlichen FinanzGruppe in diesen krisenhaften Zeiten. Luxem unterstrich, dass der Mitgliedergedanke und die bodenständige Geschäftspolitik der Volksbank besondere Werte mit sich bringe: „Über 6.000 Mitglieder, 50.000 Kunden vertrauen uns. Unsere 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wir alle, sehen uns seit je her in der Pflicht, dass die Volksbank Erkelenz nicht nur ein professioneller, sondern auch ein berechenbarer, ein zuverlässiger Partner ist. Auch in diesem Sinne verstehen wir uns als Lösungsanbieter und als verantwortungsvoller Finanzdienstleister.“

Anschließend leuchtete Margot Käßmann in den rund 70 Minuten ihres Vortrags Traditionen, Tendenzen und Chancen der heutigen Zeit aus, ließ das Publikum teilhaben an persönlichen Erlebnissen. Anekdoten prägten vor allem den Beginn ihrer Rede, manchmal jedoch blieb einem das Lachen im Halse stecken. Zum Beispiel deshalb, weil zwei Fernsehleute die Seelsorgerin einmal gefragt haben, wie man die Bibel in einem Satz zusammenfassen könne und ob die Bibel als Reiselektüre tauge. Ihr Kommentar: Das sei für sie ein Trauerspiel.

Kirche habe heute weiterhin Bedeutung, sagte Käßmann weiter. Ihr Beleg: Fünf Millionen Deutsche gehen am Wochenende in den Gottesdienst, 780.000 Fans besuchen die Fußballstadien. Auch die Zehn Gebote seien für viele Menschen aktuell, seien lebensregelnd und könnten „auch für die Zukunft Grundregeln sein, um gemeinsam in Frieden zu leben“.

Dass heute jedoch häufig andere Werte im Vordergrund stehen, sah Margot Käßmann sehr realistisch. Deutschland sei angekommen in einer „Schnäppchen-Mentalität“ voller „Geiz ist geil“. Ihr Rat: Mit innerer Freiheit und mit Liebe zum Leben solle man den eigenen Weg suchen und gehen. Am besten wissend um den Gedanken, dass „wer geben kann, glücklicher lebt und gesegnet ist“.